4. April 2008

Zahlen

weil es mich gerade mal wieder aktuell betrifft:

Lt. 7.Kinder- und Jugendbericht NRW lebten 1998 in Nordrhein-Westfalen 562.700 Kinder unter drei Jahren.
206.000 Kinder unter drei Jahren sind somit auf außerfamiliäre Betreuung angewiesen.
Für diese 206.000 Kinder stehen aber nur 10.000 Plätze in Kindertageseinrichtungen und 9000Plätze in Tagespflege lt. den Empfehlungen des Deutschen Städtetages (2000) bereit.
Dies bedeutet, dass für 187.000 Kinder unter drei Jahren die gesicherte Betreuung statistisch ungeklärt ist. (quelle)

Und das sind nur die Zahlen aus Nordrhein-Westfalen. In Gesamt-Deutschland sieht das dann so aus:

Die amtliche Statistik zu den Tageseinrichtungen für Kinder aus dem Jahr 2002weist eine Versorgungsquote im Kindergartenbereich von etwa 90% aus. Deutlichungünstiger stellt sich diese Quote erwartungsgemäß bei den Plätzen für unter3-Jährige sowie bei den Plätzen für Grundschulkinder dar. Hier erreicht die Platz-Kind-Relation bezogen auf das gesamte Bundesgebiet einen Anteil von jeweils 9%. (quelle)


Und hier in Mannheim dann so:

Die Versorgungsquote durch Krippen lag im Februar 2001 bei 6 %.
Die Versorgungsquote durch Krippen lag im Februar 2002 ebenfalls bei 6 % (quelle)

Und obwohl man bei drei Krippen auf der Warteliste steht, in die man sich bereits im schwangeren Zustand eingetragen hat, sind 6% eben 6% und ein unebtreutes Kind bleibt ein unbetreutes Kind. Und der Wunsch zu arbeiten bleibt der Wunsch zu arbeiten. Also muss, nein darf, das Kind zu einer Tagesmutter. Kein Problem, da hat er es schön kuschelig, wird individuell gefördert und besitzt eine kleine Zweit-Familie.
Als Alleinerziehende mit Brot und Wasser als Lohn Praktikantengehalt werden die Kosten dafür vom Jugendamt übernommen.
Aber Achtung Ihr Mütter da draußen! Sobald Ihr Euer sorgloses Alleinerziehenden-Dasein aufgebt und es gar noch wagt, einen echten Job anzunehmen, ist es vorbei mit dem Schlaraffenland. Dann muss man nämlich die Kosten für die Tagesmutter selbst übernehmen.

Hier mal ein direkter Vergleich:
Kosten für einen städtischen Kita-Platz: 150 Euro
Kosten für eine Tagesmutter: 750 Euro.

Achja, die Stadt Mannheim fördert auf Wunsch der CDU Krippenplätze finanziell mit einer Entlastung von 50 Euro monatlich. Aber eben auch nur in städtischen Einrichtungen betreute Kinder. Eltern, die ihr Kind bei einer Tagesmutter unterbringen, weil sie keinen KiTa-Platz bekommen haben, erhalten gar keine Förderung. Nicht einen Cent. Der Stadt und dem Jugendamt ist auf Nachfragen das Problem natürlich bekannt und man entschuldigt sich und pflichtet einem bei.

Ich weiß von anderen Städten, in denen wird die Differenz zwischen Krippenbeitrag und Tagesmuttergehalt von der Stadt ausgeglichen. Ein guter Ansatz vielleicht.

Meine Tagesmutter will jetzt jedenfalls einen Brief an Frau von der Leyen schreiben, in der sie auf diesen Missstand hinweisen möchte. Erst erschien mir die Idee etwas abwegig. Aber inwzischen bin ich am rumformulieren um einen Text aus Elternsicht zu entwerfen. Irgend etwas muss man tun.
Ich bin weit davon entfernt, mich in den Zug "kinderfeindliches Deutschland" zu setzen. Denn es gibt genug Beispiele im täglichen Leben, die mir das Gegenteil beweisen. Aber es gibt Dinge, die sind einfach unter aller Sau, peinlich und können so nicht hingenommen werden.

3 Kommentare:

rollinger hat gesagt…

Ich habs gleich gesagt. Man sollte lieber ein Stück Autobahn bauen, das wird sicher besser gefördert.

Ebola hat gesagt…

Ich kenne einen Fall - hier am Ort - wo 28 Kleinkinder (unter 3 Jahren) von zwei Erzieherinnen betreut werden sollen. Eine weitere Fachkraft will man nicht einstellen, da die Stadt (als Träger) davon überzeugt ist, dass das ausreichen wird.

dorfdisko hat gesagt…

Wie ich erfahren habe, gibt es in Heidelberg einen einkommensabhängig gestaffelten Zuschuss zu Betreuungskosten. Aber da leben auch bloß Vollkorn-Bio-Reformhaus-Müsli-essende Menschen mit ethisch und sozial korrektem Hintergrund. Ach ja, und Medizin-Studenten, aber die kriegen ja keine Kinder.