Post Mortem
Da ich jetzt ja seit Neuestem im Big Business eines großen Auktionshauses tätig bin, ja nahezu als Global Player fungiere, muss ich nun hier und da auch mal ein Päckchen von A nach B schicken. Das erste Päckchen trug ich noch brav zum Postamt. Dies gelang mir sogar schon nach dem dritten Anlauf, nachdem ich beim ersten Mal nach der Arbeit den gelben Tempel aufsuchen wollte, dort aber vor verschlossenen Türen stand, denn die Filiale schließt um 17:00 Uhr (wochentags). Beim zweiten Mal spielten wir das selbe Spielchen 9 Stunden früher. Denn die Filiale öffnet auch erst um 9:00 Uhr. Also schaffte ich es beim dritten Anlauf in meiner Mittagspause tatsächlich, das Einschreiben aufzugeben (und das auch nur, weil ich diejenige Filiale aufsuchte, die durchgehend geöffnet war).
Nun gut, beim zweiten Mal ist man ja bekanntlich schlauer oder aber im Internetz drin und sucht Web 2.0-Lösungen. Die fand ich dann auch: Eine Online-Frankierung! Zum Glück besaß ich auch schon ein PayPal-Konto, denn nur das oder ein Postbank-Konto wird akzeptiert - Kreditkarte? Was ist das? So ging die Zahlungsabwicklung kurz vor Feierabend ziemlich reibungslos von statten.
Puh, ausgedruckt, draufgeklebt, richtig chic mit Barcode und Absender auf dem Ausdruck. Jetzt nur noch irgendwo einwerfen... Moment... Einwerfen... Ja, aber wo denn eigentlich? In den Briefkasten? In eine Packstation? Oder gar bei der Filiale... Nein, nein, also das wäre ja nun wirklich absurd. Ich nutze ja extra das Online-Angebot, um die, äh, strukturierten Öffnungszeiten der Deutschen Post AG zu umgehen.
In der weiteren Umgebung der Barcode-Ausdruck-Website fand sich keine Information über Abgabeort der bereits von mir frankierten Microfaser-Bettwäsche im Romantik-Look. Aber eine Nummer, die ich für 6 ct Pro Anruf erreichen könne. Dort meldete sich ein jungerAzubi, der erst im zweiten Anlauf meine Frage verstand ("Wo muss ich ein Online-frankiertes Päckchen einwerfen?") um darauf hin Rücksprache mit seinem Supervisor zu halten.
Dann traf mich die Information wie der Blitz, denn meine bereits angedachte Vermutung sollte sich bewahrheiten:
"ÄH, ALSO, SIE MÜSSTEN DAS PÄCKCHEN IN EINER FILIALE ABGEBEN."
Hahaha. Hahahahahaha.
Ein schwacher Versuch meinerseits: "Das meinen Sie jetzt aber nicht ernst, oder?" wurde mit dem schlagkräftigen Agument niedergeschmettert: "Mh, ja, naja, also, tut mir leid, aber wenigstens müssen Sie nicht in der Schlange anstehen, sie können es einfach abgeben."
20 vor fünf, ok, das schaff ich noch bis fünf! Ok, durchatmen, nochmal nachdenken, nochmal die Suchfunktion der post.de Homepage bemühen. Aha! Da! Da steht es doch! Unübersehbar in 8 Pixel gr0ßer Schrift: "Ein Online frankiertes Päckchen können Sie in jederzeit in einer Filiale abgeben. ODER BEI EINER PACKSTATION IN IHRER NÄHE."
Na also, geht doch. Ah, moment, da steht noch was in Klammern: "(nur für angemeldete Mitglieder)".
Viertel vor fünf, mein Kind wartet, aber das schaff ich noch, eine kurze Anmeldung und dann kann ich ganz gemütlich bei einer Packstation vorbei fahren und das Päckchen auf die Reise schicken. Zack, zack, Name, Adresse, Passwort. Klar, könnt ihr gerne haben, wenn ich Sachen in den Briefkasten werfe, muss ich mich vorher ja auch per Iris-Check identifizieren.
So, letzter Klick. Anmeldung abschicken.
"IHRE ANMELDUNG IST BEI UNS EINGEGANGEN. INNERHALB DER NÄCHSTEN STUNDEN ERHALTEN SIE VON UNS EINE ANMELDEBESTÄTIGUNG PER MAIL. SOBALD SIE AUF DIESE GEANTWORTET HABEN, SCHICKEN WIR IHNEN IHRE ANMELDEINFORMATIONEN PER EINSCHREIBEN ZU. SOLLTEN SIE ZUM ZEITPUNKT DER ZUSTELLUNG NICHT ZU HAUSE SEIN, KÖNNEN SIE DAS SCHREIBEN EINFACH IN IHRER NÄCHSTEN POSTFILIALE ABHOLEN."
Hahaha. Hahahahahaha. Hahahahahahahahahahahahahahahahahahaha.
5 Kommentare:
Die Gelben eben! Da hat man immer was zu lachen. Gibt ja sonst nichts...
Wobei die Packstationen ja mal ne gute Idee waren. Nutzen wir schon seit Jahren und klappt auch sehr gut. Bin seit dem nie wieder in einer Fiale gewesen.
Stimmt. Die Packstationen sind die praktischste Erfindung seit den Geldautomaten. Auf jeden Fall sparst du dir in Zukunft einiges an Stress.
Ich hätte bestimmt jemand verbal umgebracht.
Heute haben wir Post im Briefkasten. Einschreiben abholen "Heute jedoch nicht vor " oder so.
Montag dann, wenn Sie Zeit haben das Einschreiben abzuholen.
Ein römischer Kurier zu Zeiten Julius Cäsar wäre schon viermal dort gewesen!
Postbank-Konto. Was das. Geld bei der Post. hahaha da komm ich nie drüber weg.
Ein Kunde bekam seine DSL-Hardware geliefert - und war nicht da. Als er zur Post ging um es zu holen, haben sie ihm das Ding nicht gegeben.
Er ist Asylant und hatte nur einen Duldungsausweis von der Stadt-HDH. Die Post hat es nicht akzepiert - auch nicht, als das Ausländeramt dort anrief und bestätigte dass es ein gültiger Legitimations-Ausweis sei.
Postbankkonto hab' ich.
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